realitätsschock

warum haben wir das gefühl, dass die welt aus den fugen geraten ist? warum sind wir gesellschaftlich so sehr auf die zukunft fixiert, dass uns die gegenwart entglitten ist?

Das Gefühl, die Welt sei aus den Fugen geraten, ist das Ergebnis eines Realitätsschocks. Viele Gewissheiten und Selbstver-ständlichkeiten sind in den letzten Jahren regelrecht verpufft, unser Bild der Welt hat sich allzuoft als unvollständig oder sogar falsch herausgestellt. Eine neue, hyperkomplexe Wirklichkeit ist im 21. Jahrhundert über uns hereingebrochen, mit ungefähr fünfzehn Jahren Verspätung zum Jahrtausendwechsel, cum tempore gewissermaßen. Nicht, dass Ende des 20. Jahrhunderts alles einfach, gut und entspannt gewesen wäre.

Liberalen Demokratien sind viel weniger stabil als gehofft. Eine notorisch lügende, faschistoide Witzfigur wie Donald Trump wurde mithilfe von Facebook, Fox News und Putin zum US-Präsidenten gewählt. Die Nation, die wie keine zweite im 19. und 20. Jahrhundert für zivilisatorische Stärke stand, scheitert epochal an einem selbst eingebrockten Brexit. In der vor über hundert Jahren selbstgegebenen Mission der New York Times steht: „Wir folgen der Wahrheit, wohin immer sie uns führt.“ Es steckt viel Weisheit darin, denn zwischen den beiden Teilen dieses Satzes lässt sich der Schmerz fühlen, den man spürt, wenn die unerbittliche Realität einem die zuvor sorgsam gepflegte Weltsicht kaputt macht.

Aber Digitalisierung und Globalisierung haben zuvor Unverbundenes vernetzt, Übersehenes sichtbar gemacht und uns die Illusion einer Kontrolle geraubt. Wir wurden plötzlich in eine hyperkomplexe Welt hineingeworfen und sitzen benommen da, nachdem hinter der Wartungsklappe eine unüberschaubare Zahl von Zahnrädern, Gewinden und Kupplungen auftauchen. Dieses Buch hilft dabei, diese neuen, oft verstörenden Entwicklungen zu sortieren, einzuordnen und verstehen zu lernen. Und obwohl es auf manchen Seiten die bittere Wirklichkeit zwischen Klimawandel, Integrationsscheitern und Rechtsruck beschreibt, weckt es im Schlusskapitel größtmögliche Hoffnung. buch: sascha lobo – realitätsschock

6 Gedanken zu „realitätsschock

  1. Ach nee, so komplex ist es gar nicht. Es gibt nur zu viele Neuheiten, die auf zu viel 19. Jahrhundert treffen. Warum z.B. stürmen alle Menschen in die sogenannten Metropolen, sodass es da nicht mal mehr bezahlbare Wohnungen gibt? (Wie am Ende des 19. Jahrhunderts!) Das wäre ja vollkommen unnötig, wenn es überall flächendeckend schnelles Internet gäbe. Warum wird der Regenwald nicht unter Aufsicht der Weltgemeinschaft gestellt? Warum muss jeder morgens zum Zählappell in seiner Firma antreten, wenn er eh nur online arbeitet? Warum kommen alle möglichen Menschen (global) zu uns, um von unserem sozialen System zu profitieren, das rein nationalstaatlich (19. Jh.) aufgestellt ist? Warum wird immer über die Demografie gejammert, obwohl die Welt bevölkert genug ist, sodass man Angst um die Ressourcen hat, und obwohl sämtliche Staaten mit hohem Jugendanteil nicht etwa die größeren Innovationskräfte haben, sondern stattdessen Krieg führen? Warum pflegen wir weiter den Verbrennungsmotor und die Braunkohle (19. Jh.), obwohl es längst Wasserstoff gibt? Wir werden längst von übernationalen Organisationen regiert, haben jedoch nur auf nationaler Ebene ein Mitspracherecht (19. Jh.) Warum zahlen wir immer noch Einkommenssteuer (19. Jh.), wenn es Maschinen, Computer und Algorithmen sind, die den höchsten Gewinn einfahren? Und…und…und….

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      • Seehofer hat zuweilen Anfälle von großer Einsicht🙂Aber man muss sich das mal klar machen. Wir werden regiert nicht von der Regierung, sondern von der EZB, der EU-Kommission und einem Haufen NGO. Wir beschäftigen eine Pseudo-Regierung, die eigentlich nichts tut außer sich um Posten zu streiten, und all diese Leute kosten uns einen Haufen Geld. Viele sind der Meinung, die Demokratie sei bereits abgeschafft.Ist sie in der alten (nationalstaatlichen) Form de facto auch. Wir müssen uns ernsthaft dran machen und Demokratie in die nächste Phase hieven (überstaatliche Ebene, EU), sonst vertschüsst sie sich klammheimlich wirklich.

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