die letzten zentimeter des weges

nimm ein massband und schneide die zentimeter ab, die du schon gelebt hast. dann kürze es auf 77 cm (ein statistischer wert).  jetzt hast du die letzten zentimeter deines lebens. berechne hier deine lebenserwartung. ein kettenraucher wie ich muss aber 18 jahre von dem wert abziehen, ein trinker muss weitere 20 jahre abziehen. übergewicht, singleleben und einsiedlerdasein, kosten auch rund 10 jahre und wer keinen sex mehr hat, nie sport treibt, nie zum arzt geht und krankenhausaufenthalte ablehnt, muss ebenfalls von einer erheblich geringeren lebenserwartung ausgehen. mein ergebnis: „ihr letztes stündlein hat leider schon lange geschlagen. einen guten tag noch!“ trotzdem ist doch heute der erste tag vom rest meines lebens!  die todesuhr – erfahre dein todesdatum:
jetzt stelle ich mir natürlich fragen: lohnen sich die reparaturen der sturmschäden? erfülle ich mir doch noch meinen traum auf eine wildfarm in namibia umzuziehen? lohnt sich ein neues gebiss für meine fresse noch? lohnt sich eine neue sehhilfe? lohnt sich ein weiterer friseurbesuch? was bringt das putzen meiner fenster noch?

irgendwie ist alles überschaubarer geworden und ich kann mein (restliches) leben viel besser planen. jedes jahr werde ich „mein massband“ um einen zentimeter kürzen und bewusst über den rest meines lebens nachdenken und die übrigen zentimeter nur noch ein sinnerfülltes leben führen, sinnloses handeln und planen vermeiden.
alleine (trotzdem nie einsam) bin ich glücklich, wenn ich in meinen alten, ausgebeulten jeans und in einem dreckigen hemd auf meinem grundstück werkeln kann. wenn ich mein frühstück mit drei wodka-orange beginne. wenn ich mir abends eine flasche rotwein gönne und mit meinen dreckigen klamotten am esstisch platz nehmen darf. wenn ich mich nicht rasiere, weil ich keine lust darauf habe. es sind zwischenzeitlich banale dinge, vor allem meine tiere, die mich glücklich und zufrieden sein lassen.

6 Gedanken zu „die letzten zentimeter des weges

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