die „judensau“ soll weg

michael düllmann (75), mitglied einer jüdischen gemeinde in berlin, ist der liebe wegen zum judentum konvertiert. der privatmann hat klage gegen eine evangeli-sche stadtkirchengemeinde eingereicht und fordert die abnahme eines reliefs:
„Entfernen Sie die Wittenberger Judensau!“ muss jetzt die wittenberger „judensau“, ein schmäh-relief, von der fassade der stadtkirche entfernt werden? das amtsgericht verweist den fall an die nächste instanz. ähnliche abbildungen sind auch an anderen kirchen zu finden. aber auch die „hitler-glocken“ in deutschen kirchen sorgen immer wieder für schlagzeilen. „Nazi-Glocke soll weg“ oder „Vom Dreck gereinigt“ sind nur zwei beispiele.

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21 Gedanken zu „die „judensau“ soll weg

  1. sind die „judensäue“, „hitlerglocken“, „naziglocken“ und alles vergleichbare nicht in museen (zur erinnerung an unsere geschichte) viel besser aufgehoben, statt an/in den kirchen?

    vielleicht ein raum mit dem thema „der hitler in uns“ in einem museum in jeder stadt? als warnung, dass nazis, rassismus und antisemitismus bis heute aus deutschland nicht verschwunden sind?

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    • …glaube ich nicht – denn in Museen werden sie von weit weniger Leuten gesehen. Diese doch so „anstößigen Objekte“ sollten für Jedermann sichtbar bleiben.
      Es ist schier unmöglich alles was nicht in den heutigen Zeitgeist passt ins Museum zu stecken.
      Außerdem gibt es auch genug geforderte Erinnerungsstätten/Mahnmale, wie die: „Holocaust-Mahnmal“

      Ich verstehe den Unterschied nicht wirklich – mal hüh, mal hot….Die „Säue“ finde ich hübscher!

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  2. Vieles von dem, was ich denke, wurde bereits gesagt. Meine ganz persönlichen Gefühle sind folgendermaßen: Nicht Verschweigen sondern bewusst machen. Mehr echte, kritische Geschichte in den Schulen – ohne Scheuklappen. Vergessen ist die größte Gefahr für Wiederholung und verfestigt Vorurteile aus Mangel an Wissen. Sehe ich ein solches Symbol, so bewirkt das großes Mitgefühl für die globale Verfolgung der Juden (und anderer Gruppen), die Beschränkung ihrer Tätigkeiten, die ihnen später zum massiven Vorwurf gemacht wurden. Was die H.-Glocke betrifft, so fühlt es sich für mich so an, als wehe mit jedem Glockenschlag ein unseliges Vermächtnis übers Land und es ekelt mich an. Wenn man weiß, mit welchen Ritualen und welcher Leidenschaft Glocken gegossen wurden, so sehe ich darin weit mehr als nur ein Produkt. Auch in diesem Fall ruft mir das Vorhandensein solcher Glocken immer wieder ins Gedächtnis, wie sehr die Kirchen durch Unterstützung mit dem Dritten Reich verbunden waren.

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  3. Normalerweise bin ich für den Erhalt von Kultur, aber diese „Wittenberger Judendsau“ muß entfernt werden. Die Darstellung ist eine Beleidigung des Judentums und der Gläubigen.
    Auch wenn das Relief seit 1300 n.Chr. dort ist, so ist es seit damals schon ein Unding.

    Die Hitler-Glocke hängt da verborgen im Glockenturm, hat vielleicht sogar einen guten Klang, ich finde nicht, daß man sie stilllegen muß. Habe letztens eine Doku gesehen, über den Guß einer Glocke. Das ist ein sehr langwieriger, komplizierter und auch gefährlicher Vorgang. Ich finde aus Respekt vor den Glockengießern, sollte man die Glocke in Frieden lassen.
    So viele Bauwerke tragen den Stempel des „3. Reiches“, die Autobahnen wurden unter Hitler gebaut, alle Männer, die Adolf heißen….. soll man alles niederreißen? Soll man die Adolfs umbenennen?
    Ich bin absolut kein Freund der Nazis und allem, was dazugehört. Aber im Fall dieser Glocken, würde ich den kulturellen Wert höher schätzen. Falls es den Glockenklang nicht beeinträchtigt, kann man ja den Namen Hitlers und das Hakenkreuz entfernen. Aber die Glocken stillzulegen ist nicht richtig, finde ich.

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    • Moin. Zugegeben ein heikles Thema. Insbesondere eine „Nazi-Glocke“ war hier im Norden medial vertreten. Und nachdem Unbekannte das Hakenkreuz und den Nazi-Schriftzug in einer Nacht- und Nebelaktion entfernt haben, soll das Klangbild „schräg“ sein …. So war zu lesen.
      Ich bin für Aufklärung – auch in der Verantwortung meiner Kinder- und Enkelkindergeneration gegenüber. So in der Art, wie mit dem Teufel vor der Lübecker St. Marienkirche. Dort gibt es eine Tafel auf der erklärt wird, was es mit dem Teufel auf sich hat. Gleiches könnte man m. E. auch andernorts so gestalten. Mit Glocken, Reliefs usw., die heute nicht mehr den ethisch-moralischen Werten entsprechen. Das heißt für mich aus der Geschichte zu lernen.
      So ähnlich hat es auch die ev. Kirche im letzten Jahr, im „Lutherjahr“, mit Luther selbst ganz offensiv getan: Luther war nicht nur der „Erfinder“ des Evangeliums, sondern durchaus auch ein Antisemit – auch wenn es den Begriff damals wohl noch nicht gab. Nach heutigem Forschungskonsens waren Luthers Judentexte noch nicht von Rassismus, sondern von seiner antijudaistischen Theologie bestimmt. Diese trug jedoch erheblich dazu bei, dass viele Protestanten den Antisemitismus übernahmen und der nationalsozialistischen Judenverfolgung zustimmten oder nicht widerstanden. Seit den 1960er Jahren distanzieren sich viele evangelische Kirchen öffentlich von Luthers judenfeindlichen Aussagen. Ob und wie weit auch seine Theologie zu revidieren ist, wird diskutiert.
      Das meine ich mit „aus der Geschichte zu lernen“ – statt sie zu verschweigen oder zu entfernen.
      Aber das ist nur meine unmaßgebliche Meinung. Grüße von der Ostsee.

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      • Da stimme ich sehr zu! Es ist eine gute Idee, statt historische, in Moral und Ethik fragliche Werke zu zerstören, mittels Informationstafeln aufzuklären. Das Verständnis für die Historie und der Lerneffekt wären größer.
        Wir sind ja keine Katzen, die ihre Hinterlassenschaften verbuddeln.
        Ja, diese Themen aus der Geschichte sind heikel. Viele trauen sich vielleicht nicht, Fürsprache für einige „Erbstücke“ aus der Nazi-Zeit zu ergreifen. Allzu schnell wird man auf die rechte Seite geschoben. Aber ich denke, wir müssten doch inzwischen so weit über den Dingen stehen, um vernünftig damit umgehen zu können.
        Was natürlich verboten gehört, ist der Umgang mit Devotionalien aus dem 3. Reich, die zum Zweck der Verherrlichung desselben und zur Beeinflussung herumgetragen werden.

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        • Jou, insbesondere zum letzten Punkt stimme ich uneingeschränkt zu, dazu ist die Rechtslage in D ja auch eindeutig.
          Aber mit dem „über den Dingen zu stehen“ ist zwar wünschenswert, doch nutzen einige ideologisch verbrämte Dumpfbacken die Geschichte in bewusster Fehldeutung immer wieder für sich. Oder sie wissen es wirklich nicht besser, was die Sache – um vernünftig damit umzugehen – noch schlimmer macht.
          In so’ner Situation habe ich neulich diesen Spruch gehört: „Oh Herr, lass es Hirn regnen und nimm den Bedürftigen die Regenschirme weg!“
          Man kann’s auch so mit (Galgen)Humor nehmen 😉

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          • Ja, Hirn wenn’s regnen würde, wär’s nicht schlecht😊
            Es wird immer Dumpfbacken geben und ich sag‘ mir: warum sollten wir etwas Schönes zerstören, nur wegen dieser morons. Jetzt erst recht nicht!
            Aber es stimmt schon, es ist schwierig, weil eben die Dumpfbacken alles für sich und ihren verblendeten Geist nutzen und aus allem etwas Schlechtes wird, wo sie in der Nähe sind und mit ihren Glotzaugen hingucken.

            Gefällt 3 Personen

      • Wer kennt den Klang der Hitlerglocke heraus? Wie viele wissen eigentlich, daß die letzten Jahrzehnte die Hitlerglocke geläutet hat? Würde die Harmonie des Zwei- oder Dreiklangs des Glockengeläutes nicht sehr gestört werden, wenn man die eine Glocke stilllegt? Wie zuvor beschrieben, sollte man nicht diese tolle Handwerksarbeit, die Glockengießer vor langer Zeit vollbrachten, zum Schweigen bringen. Sie wurden gemacht, um die Menschen zum Gottesdienst zu rufen, um im Krieg zu warnen, das Totenglöckerl gibt Bescheid, wenn jemand verstorben ist usw.
        Es ist also „nur“ das Hakenkreuz (ein uraltes Symbol) und dieser Name eines entsetzlichen Menschen. Aber die Glocke ruft nicht dessen Namen ins Land, sondern ruft die Menschen zur Kirche (ich bin ohne Religion und doch finde ich Glockengeläut wunderbar).
        Glockentürme sind fast immer abgesperrt, wegen der Verletzungsgefahr, wenn Unbefugte raufsteigen wollen. Deshalb glaube ich, daß in dieser Hinsicht die Gefahr der Bildstürmerei nicht so groß wäre

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