tobi (27) lebt extremen minimalismus

Tobi lebt ohne eigene Klamotten, Möbel oder Geld. Er brach das Studium ab, verschenkte sein Geld und zog mit seiner Freundin durch Europa: Tobias Rosswog will zeigen, dass man auch anders leben kann. Doch wie geht das, wenn der gesamte Besitz in einen Karton passt?

Wie viele Gegenstände braucht der Mensch wirklich zum Leben? 10.000 Dinge soll der Durchschnittseuropäer in seinem Besitz haben, das behaupten zumindest Minimalismus-Prediger und Aufräum-Gurus immer wieder.

Wie viele es genau sind und wer diese Dinge eigentlich gezählt haben will, das ist Tobias Rosswog egal. Der 27-Jährige weiß, dass er so oder so weit unter dem Durchschnitt liegt. Sehr weit. Sein gesamter Besitz passt in einen Umzugskarton. Und mehr möchte er auch nicht haben, auf gar keinen Fall.

Klamotten? Braucht er nicht. Im „Liebermensch-Haus“ in Mainz, wo er mit neun Mitbewohnern lebt, gibt es einen Gemeinschaftskleiderschrank für alle. Was dort landet – Hosen, Pullis, T-Shirts – dürfen alle tragen. Nur für Unterhosen und Socken hat Tobi, wie er genannt werden möchte, ein eigenes Fach.

Bücher stehen im Gemeinschaftsregal, ebenfalls für alle nutzbar. Möbel und Küchengeräte, die die Bewohner auf die zwölf Zimmer im Haus verteilt haben, hat die Truppe geschenkt bekommen oder auf dem Sperrmüll eingesammelt. Von einem örtlichen Supermarkt bekommen sie Lebensmittel, bei denen das Verfallsdatum vor Kurzem abgelaufen ist. Sechsmal pro Woche holen die Bewohner dort die Reste ab und lagern sie in der gemeinschaftlichen „Mampf-Kammer“.

Die Welt verändern. Und zwar sofort: mehr hierzu/weiterlesen/quelle: spiegel.de

lesenswert ist auch der beitrag hierzu von oberham:
„Einer exemplarisch für Viele die es wagen… Tobias Rosswog lebt (s)ein Leben“

16 Gedanken zu „tobi (27) lebt extremen minimalismus

  1. Alles schön und gut und ich bin auch ein Minimalist und ich sage Immer:

    „Ich besitze alles, was ich brauche und was ich nicht besitze, das brauche ich nicht.“

    Aber warum man sein Geld verschenken muss, verstehe ich nicht, denn auch das Leben im minimalsten Minimalismus, den etwa „Tippelbrüder“ täglich leben, ist auf Geld angewiesen. Wer dies leugnet, leugnet die Realität. Und selbst die kostenlos erhaltenen Klamotten oder die erhaltenen Lebensmittel ohne Gegenleistung, haben einmal Geld gekostet, zumindest in ihrer Entstehung.

    Auch sorge ich dafür, dass ich mit einem Halbtagsjob unabhängig von Ämtern bin und mir dadurch mir die Freiheit erhalte, nicht ständig Rechenschaft über mein Leben abgeben zu müssen. Wer nur auf andere lebt, ist für mich ein Schmarotzer.

    Auch gehört es dazu, dass man seinen Teil für die Gesellschaft leistet, um überhaupt das zu nutzen, was die Allgeimeinheit durch ihre Steuern zur Verfügung stellt. Wohlgemerkt: In jungen Jahren habe ich anders gedacht und habe mich versucht, in der Arbeitslosigkeit einzurichten: Morgens schön ausschlafen, dann lecker frühstücken und den Tag genießen. Aber ich hab dann meine Schulabschlüsse und ein Studium nachgeholt.

    Mit dem Alter wird man klüger und sieht ein, dass man nur dann lebender Bestandteil der Gesellschaft ist, wenn man was tut, was die Gesellschaft weiter bringt.Ich hab dann meine Schulabschlüsse und ein Studium nachgeholt. Heute verzichte ich auf vieles, fahre kein Auto, reise nicht in Urlaub usw.

    Ich arbeite Teilzeit, damit ich mehr Zeit zum Leben und Denken, zum Lesen und Schreiben habe und bescheide mich aufs Nötigste, aber brauche keine fremde Hilfe. Da muss man halt auch wirtschaften können und noch Runtergesetztem oder Sonderangeboten bei den Discountern schauen. Mein Nachbar fährt Porsche, auf den er nicht verzichten möchte: Ich fahre Mountainbike und möchte auch nicht darauf verzichten, weil ich dadurch zudem die Kosten für Busse und Bahnen spare.

    Doch ich verstehe die Grundidee, weil ich ja auch in frühen Jahren Erich Fromm gelesen habe: „Haben oder Sein“ usw. Und ich dachte damals, wenn ich arbeislos bleibe, nehme ich ja keinem Familienvater mit Kindern den Job weg. Aber heute weiß ich: Das waren Ausreden.

    Jeder muss was tun, um sich zu integrieren und so verlangt es ja auch der Staat von den Neubürgern. Der Besitzlose bezahlt keine Steuern, keine Krankenversicherung usw. Wenn wir alle so dächten, ginge gar nichts mehr. Klingt von oben herab und spießbürgerlich, aber ist die Wahrheit.

    Lebensexperimente gehen immer nur eine Zeit lang gut, dann holt dich die Realität ein und du musst dich entscheiden, ob du aus dem Traum erwachst, der hehren Fiktion entfliehst oder untergehst. Nur als Beispiel: Die Rädelsführer der Revolution wurden später alle zu Managern des Staates und das war in Frankreich so und war bei der 68er Revolution so.

    Trotzdem wünsche ich gutes Gelingen. Wir sprechen uns in zehn Jahren wieder 😉

    LG Sven 🙂

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  2. Aber ist es auf der anderen Seite nicht gerade der verkümmerte Instinkt, der bewirkt, dass die Menschheit sich gegenseitig vernichtet, die eigenen Lebensräume zerstört und auf die eigene Ausrottung hinsteuert?
    Das Beispiel von Tobi und seinen Mitbewohnern zeigt mir erneut, dass jeder bei sich selbst anfangen muss, um gesamtgesellschaftliches Bewusstsein zu verändern bzw. andere Denkweisen anzustoßen. Es müssen ja weder alle so leben noch soll der Gleichmacherei das Wort geredet werden. Aber es wäre doch schon ein wichtiger Schritt, wenn dieses Beispiel bewusst machte, dass man weit weniger braucht, als man gemeinhin glaubt?

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  3. Jetzt langweile ich mal wieder mit einem Hinweis auf Paul Lafargue und „Das Recht auf Faulheit“

    Ideen scheitern am Egoismus und der Intoleranz von Menschen und ganz stark an ihren Ängsten. Selbst das Christentum mit seinem „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wird von Menschen zu einem Waffen segnenden, hierarchischen Verein umgebogen und so völlig entmystifiziert und entspiritualisiert.

    Wir als Menschen sind die einzigen, die die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden. Wir müssen nicht blind unseren Instinkten folgen, wie Tiere es tun.

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  4. Ich finde es sehr wichtig, dass es solche Experimente gibt, die hoffentlich dazu beitragen, zumindest einigen der breiten Masse die Augen zu öffnen.
    Andererseits frage ich mich immer wieder, ob solche Modelle wirklich tragfähig wären, wenn ALLE so leben würden.

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