vorbilder? fehlanzeige!

Vorbilder? Fehlanzeige!
Die schmerzhafte Suche nach einer Perspektive Roman:

Caroline Caspar: Unsere Welt ist unzweifelhaft in einem Besorgnis erregenden Zustand. Tatsache ist auch, dass viele Jugendliche, die ich im persönlichen Umgang eigentlich immer als angenehm erlebt habe, zutiefst verunsichert und misstrauisch sind. Es fehlt oft an Perspektiven und somit an Motivation. Die Gesellschaft ist durch Komasaufen, das Konsumieren von zum Teil heftigen Drogen und einen Anstieg der Gewalt zu Recht alarmiert. Diese Probleme sind keine modische Zeiterscheinung, sondern eine Reaktion. Nur das Verändern der wahren Ursachen wird auf Dauer zu einer positiven Entwicklung führen.

Dieses Buch ist entstanden nach jahrelangen Beobachtungen und Gesprächen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Kreis meiner Kinder und deren Freunden, weiteren Verwandten sowie Schülern und ehemaligen Schülern. Der Entschluss zu einer Verarbeitung in schriftlicher Form entstand aus der traurigen und verstörenden Erkenntnis, welch fatale Wandlungen oft Unbedachtheit, erlebte Gewalt und Ungerechtigkeit, fehlende Wertschätzung, fortgesetzt empfundene Demütigung und Sprachlosigkeit zur Folge haben.

Gesehen habe ich diese bei einer Vielzahl von jungen Menschen, in deren saubere, fröhliche und wahrhafte Gesichter ich noch einige Jahre zuvor geblickt hatte. Und ich weigere mich, diese Entwicklung als zwangsläufig und unabänderlich anzusehen. Ja, bei manchen ist vielleicht alles zu spät – aber warum ist das so? Einige mögen sagen, so ist das Leben. Ich aber halte es mit den Worten von Sophie: „Wenigstens einmal darüber nachzudenken könnte sich vielleicht lohnen!“

Da dieses Buch aus der Sicht der achtzehnjährigen Sophie geschrieben wurde, sind versöhnliche Worte kaum zu finden. Kinder und Jugendliche wollen keine Kompromisse. Wer sich auf die Schilderung und Gedanken der Hauptperson einlässt, wird manches Mal beim Lesen betroffen innehalten. Die Gespräche und Schilderungen im Kapitel “Zeltlager“ beleuchten Kämpfe und Seelenzustände vieler junger Erwachsener.

Der Roman bietet aber vor allem die Chance, einzutauchen in Leben und Sinnsuche eines jungen Menschen, Verarbeitung und Bewältigung von Krisen und nicht zuletzt zu selbstkritischem Hinterfragen der eigenen Werte und Rückschau auf persönliche Träume.
Wobei es unerheblich ist, dass der Ich-Erzähler ein Mädchen ist. Im Kapitel „Tagebuch“ werden Lebenswirklichkeiten mit den Mitteln der Logik aufgeschlüsselt und in Frage gestellt. Alles betrifft ebenso das männliche Geschlecht, da die meisten Aussagen die gesamte Menschheit im Blick haben.

Jugendlichen will er Mut machen, nicht zu resignieren, sondern das Leben anzupacken und sich Wissen anzueignen, um stärker zu werden, sich hörbar wehren zu können, die richtigen Entscheidungen zu treffen und ein möglichst unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Zum Abschluss noch ein paar erklärende Worte zu der Gestaltung der Zeltlager-Gespräche: Ganz bewusst habe ich mich für Dialoge in ihrer tatsächlichen Form mit all ihren Besonderheiten entschieden. Dies geschah aus Gründen der Wahrhaftigkeit und nicht, um Personen oder Gruppen herabzusetzen – eher im Gegenteil! Oft schien mir genau in diesen Formen des Sprechens eine eigentümliche Genauigkeit der Schilderung und Eindrücklichkeit der Gefühlslage zu liegen. e-book

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