mafia in deutschland 2/4 – organisierte kriminalität

Organisierte Kriminalität und Schmutzige Deals: Rocker und armenische Mafia Hand in Hand. Die armenische Mafia und die „Hells Angels“ arbeiten in Thüringen offenbar im Rotlichtmilieu und im Drogenhandel zusammen. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN haben beide Gruppen immer wieder Geschäfte mit Drogen, Prostitution und Autohandel abgewickelt. Die Kontakte reichen Jahre zurück.
Es sollte eine ganz normale Verkehrskontrolle werden. Den beiden Erfurter Polizisten war eine dunkle Limousine aufgefallen. Sie stoppen den Wagen: Die Insassen sind junge Männer aus Armenien. Sie schreien, drohen und telefonieren. Nach wenigen Minuten preschen weitere Autos heran, Verstärkung für die beiden Armenier. Die Stimmung wird immer aggressiver und bedrohlicher. Die Beamten rufen Unterstützung, erst dann können sie die Lage unter Kontrolle bringen.

Was damals passierte, vor gut vier Jahren, war der erste Zusammenstoß zwischen der Streetgang „United Tribuns“ und der Polizei in Erfurt. Es handelt sich um ein Phänomen der Organisierten Kriminalität, das sich vor gut zehn Jahren in ganz Deutschland auszubreiten begann: Junge Männer mit Migrationshintergrund finden sich zu Gangs zusammen. Sie organisieren sich wie ihre großen Vorbilder: Die Rockerclubs „Hells Angels“ oder „Bandidos“.

Es begann mit „Joker“

In Erfurt waren „United Tribuns“ unter anderem aus einer anderen Bande hervorgegangen: „Joker“. Auch eine rockerähnliche Gruppierung, wie sie Fahnder des LKA einstufen. Eine Bande mit einer straffen Hierarchie und einem Präsidenten als Boss: einem jungen Armenier. Der Ursprung von „Joker“ in Erfurt liegt noch etwas länger zurück. Vor etwa sieben Jahren fanden sich gewaltbereite Männer zusammen, junge Einwanderer aus Russland, Aserbaidschan, Armenien oder Tschetschenien. Uniformiert mit schwarzen Bomberjacken und Joker-Schriftzug auf dem Rücken zogen sie durchs nächtliche Erfurt: Machtdemonstrationen. Bald folgten Schlägereien, Drogendelikte, Erpressungen, Zusammenstöße mit der Polizei.

Die jungen Einwanderer suchten die Nähe zu den „Hells Angels“ und dessen Unterstützerclub „Red Devils.“ So war es wenig verwunderlich, dass im März 2010 Mitglieder von „Joker“ bei der Clubhaus-Eröffnung der „Red Devils“ im Erfurter Norden auftauchten. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollen die „Joker“ besonders für die „Hells Angels“ illegale Geschäfte erledigt haben. So waren einige von ihnen in Schutzgelderpressungen, Waffenschmuggel und Prostitution außerhalb von Thüringen verwickelt.

Legale Unternehmens-Standbeine

Irgendwann verliert sich die Spur der „Joker“. Insider aus der Szene berichten von Streit und gewalttätigen Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe. Einige wechselten zu den „United Tribuns“, andere zu der Straßengang „Black Jackets“. Auch diese gilt als kriminell und gewaltbereit, auch sie agierte offenbar im Rotlichtmilieu. Noch heute finden sich Gruppenfotos der „Black Jackets“ vor einem Erfurter Bordell in den sozialen Netzwerken. Andere Mitglieder der Bande aber schlugen einen scheinbar seriösen Weg ein: sie wurden Unternehmer und Gaststättenbetreiber, eröffneten Shisha-Bars, Autohandel und Getränkeläden in Erfurt. Doch nach Informationen von MDR THÜRINGEN blieben die Kontakte ins kriminelle Milieu bestehen. Sie wurden sogar verfestigt, ausgeweitet, über die Landesgrenze hinaus: nach Berlin, Leipzig oder Halle.

Spaziergang um fünf Uhr morgens

Bemerkt hat das kaum jemand, bis zu der blutigen Schießerei zwischen zwei armenischen Gruppen im Juli 2014 in Erfurt. Nahezu alle der armenischen Jungunternehmer waren entweder direkt am Tatort oder zumindest in dessen Nähe. Auch eine damalige Erfurter Rotlichtgröße tauchte kurz nach der Schießerei an der nächtlichen Polizeiabsperrung auf. Ein Mann, der wiederum ausgesprochen gute Kontakte zum Umfeld der „Hells Angels“ haben soll, angeblich auch direkt bis zu den Führungsgrößen der Rocker in Thüringen. Doch für seinen „Spaziergang“ um fünf Uhr morgens führte der Mann lediglich Neugier an, angeblich nur wegen des kreisenden Polizeihubschraubers. Zu lesen in internen Ermittlungsunterlagen zu dem Feuergefecht, das seit Frühjahr dieses Jahres Gegenstand eines großen Prozess gegen die armenische Mafia am Landgericht Erfurt ist. Zehn Männer müssen sich unter anderem wegen versuchten Totschlags und Bildung einer bewaffneten Gruppe verantworten.

Der wahre Grund für das besorgte Vorbeischauen des Bordellbetreibers könnten aber die Beteiligten der Schießerei gewesen sein. Mitglieder der armenischen Mafia in Erfurt, die wohl auch intensive geschäftliche Kontakte in seinen Laden pflegten. Es scheint durchaus möglich, dass er noch als Zeuge vor das Landgericht Erfurt geladen wird.

Nicht mehr Befehlsempfänger

Dort auf der Gerichtsbank im Mafiaverfahren sitzen mindestens zwei Armenier, die damals zu „Joker“ gehörten und wohl auch in dieser Zeit vor gut sieben Jahren in kriminelle Geschäfte verwickelt waren. Auch unter den regelmäßigen Gästen beim Prozess am Landgericht finden sich ehemalige „Joker“-Mitglieder. In dieser Zeit haben sie gelernt, wie es das „Geschäft“ funktioniert auf der Straße. Drogenhandel, Schutzgelderpressung oder Waffendeals – in vielen solcher Geschäfte hängen Männer drin, die damals zu „Joker“ oder später „United Tribuns“ gehörten und heute Teil der armenischen Mafia in Erfurt sind.

Ihre alten Kontakte zum Umfeld der „Hells Angels“ sollen nie abgerissen sein, sondern lediglich auf andere „Füße“ gestellt worden sein. Die Geschäfte sind noch die gleichen, nur dass die Armenier inzwischen nicht mehr die Befehlsempfänger der „Hells“ sind, sondern Geschäftspartner. So beherrschen verschiedene Gruppen die Straße, doch es scheint, dass die armenische Mafia überall mit drin hängt. Das zeigt ein brutaler Vorfall vor gut drei Wochen in Erfurt, der kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Schweigegelübde erschweren Ermittlungen

Es ist kurz vor Mitternacht des 13. Oktober. Ein junger Kosovo-Albaner wird aus einer Erfurter Shisha-Bar gelockt. Vor der Tür lauern circa 15 Männer auf ihn, die Motoren ihrer Autos laufen. Sofort stürzen sich vier von ihnen auf den jungen Mann und schlagen ihn zusammen. Als er am Boden liegt, treten sie weiter auf ihn ein, auch gegen den Kopf. Dann verschwinden sie unerkannt mit seiner Jacke, seinem Handy und seinen Schlüsseln. Bei der Fahndung überprüfen die herbeigerufenen Polizisten zwei Armenier und zwei Aserbaidschaner. Ob das ein purer Zufall war, müssen die Ermittlungen zeigen. Eines scheint aber klar: Hier ging es nicht um den einfachen Diebstahl einer Jacke, eines Handys oder von Schlüsseln. Hier ging es um eine Warnung an einen Konkurrenten oder eine andere Gang. Ob die Polizei die wahren Hintergründe der Tat aufdecken kann ist unklar. Denn auch bei russisch-eurasischen Mafiagruppen gilt das Schweigegelübde. Das zeigt sich schon daran, dass das Opfer mittlerweile wenig aussagewillig sein soll.
quelle: mdr-exakt-die-story

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