das ende der demokratie – wie uns künstliche intelligenz entmündigt

buchtippyvonne hofstetter ist juristin, essayistin und führt selbst ein software-unternehmen. sie entwickelt auch selbst künstliche intelligenzen. yvonne hofstetter selbst hat übrigens ganz bewusst kein smartphone, denn die vermessen uns permanent. in ihrem neuen buch „das ende der demokratie“ kritisiert yvonne hofstetter, wie wir uns bereitwillig von künstlicher intelligenz und von maschinen entmündigen lassen.

Selbstfahrende Autos, Fitness-Armbänder, digitale Wohnhäuser. Intelligente Maschinen werden zunehmend Teil unseres Lebens. Und wir greifen dankend zu, denn die digitale Welt wird immer komplexer, Entscheidungen mühsamer. Der Preis: private Daten – und unsere Souveränität! Denn was wir nicht selbst entscheiden, entscheidet der Computer. Warum weitersuchen, wenn die Suchmaschine gleich etwas vorschlägt?

Künstliche Intelligenz, gemacht von Konzernen, schiebt uns bereits heute in bestimmte Richtungen. Und was, wenn sie weiter an Einfluss gewinnt? Wenn irgendwann nicht mehr Menschen sondern intelligente Maschinen Politik machen? Die Autorin Yvonne Hofstetter beschreibt dieses Szenario in ihrem neuen Buch „Das Ende der Demokratie“ und warnt: Menschen können zwischen Gut und Böse unterscheiden – künstliche Intelligenz kann das nicht.

Automatisierte Pressefreiheit?
„Hier ist viel Gefährdungspotential in Bezug auf die Souveränität des Indidviduums“, warnt die Autorin. „Das glaubt ein Mensch gar nicht, der einfach ein soziales Netzwerk oder eine Suchmaschine benutzt. Aber hier ist sehr viel Sprengstoff enthalten, die Demokratie anzugreifen.“ Bei Facebook etwa zensieren selbstständige Programme. Deshalb konnte eine schwedische Zeitung ein Anti-Kriegs-Foto, auf dem ein unbekleidetes Kind zu sehen war, nicht posten. Soviel zur automatisierten Pressefreiheit.
anti-kriegs-foto
Hofstetter führt selbst ein Software-Unternehmen, entwickelt auch künstliche Intelligenzen. Sie kritisiert, dass wir uns so bereitwillig von Maschinen entmündigen lassen. Sie selbst hat übrigens kein Smartphone – ganz bewusst. Denn die vermessen uns permanent. So lernen die Firmen, wie und wann sie uns beeinflussen können. Wie Kriminalisten durchleuchten sie uns.

„Durch dieses Profilen entsteht eine Möglichkeit, in unser Leben, in unsere Souveränität einzugreifen, weil uns diese Gesamtumgebungsintelligenz, wie wir das in der Forschung nennen, immer einen Schritt voraus sein wird“, erklärt sie. „Das heißt, sie kennt unser Verhalten, und sie kann durch die Massendatenanalyse den nächsten Schritt, den wir wahrscheinlich tun werden, sehr gut berechnen.“

Freiheit und Selbstbestimmung interessieren Konzerne nicht
Yvonne Hofstetter warnt: Diese Mechanismen können das Ende der Demokratie bedeuten. Denn die Netzwerke der Internetgiganten bestimmen immer mehr unser Leben – doch unsere Werte wie Freiheit und Selbstbestimmung interessieren die Wirtschafts-unternehmen nicht. Sie wollen gläserne Konsumenten in einer leicht steuerbaren Welt. Und die Strategie, die sie dafür einsetzen, könnten auch Politiker und Regierungen nutzen.

Wenn Politiker Massendatenanalyse einsetzen
Manche tun es schon längst. Wie Barack Obama vor seiner Wiederwahl. Denn wenn ein Politiker über das Internet ablesen kann, wie wir ticken, kann er jedem von uns den Stoff liefern, bei dem wir anbeißen. „Obama hat ja die Massendatenanalyse eingesetzt, um ganz gezielte, ganz personalisierte Werbung an seine Wähler zu schicken“, erzählt Hofstellter. „Er hat 50 Physiker und Mathematiker eingesetzt, die die Facebook-Accounts seiner potentiellen Wähler ausgewertet haben. Das sind die Dinge, die mir einen Vorsprung geben. Und es ist nicht so, dass ich ihnen nach dem Mund rede, sondern ich weiß, welches die Knöpfe sind, die ich drücken muss, um sie zu überzeugen.“

Künstliche Intelligenzen als Kümmerer
Künstliche Intelligenzen sind unsichtbare Kümmerer. Richtig eingesetzt könnten sie aber auch helfen. Strippen ziehen im positiven Sinn – um in einer immer komplexeren Welt die Gesellschaft zu organisieren, vielleicht sogar zu schützen. Uns rechtzeitig auf die Rentenvorsorge hinweisen, oder uns Gesundheitstipps geben, anhand unserer Daten. Natürlich können Maschinen manches einfach besser.

„Komplexe Gesellschaften können wir gesetzlich gar nicht mehr regeln“, so Hofstetter. „Das Recht ist viel zu schwach, das versagt mit der Zunahme der Komplexität in der Gesellschaft, also muss ich mir andere Verfahren ausdenken.“

Überwachung auf Kosten der Freiheit
An Europa wird das besonders deutlich. Auf rasante Entwicklungen kann das komplexe Gebilde EU oft nur verspätet reagieren. Hofstetter fragt: Wie wäre es, wenn Maschinen etwa anhand unserer Daten vorausberechnen, wann jemand sich radikalisiert. Sie könnten warnen. Oder direkt und ungefragt mit gezielten Informationen auf werdende Demokratiefeinde einwirken. Hört sich doch eigentlich toll an, oder? „Ja, das wäre vielleicht eine sinnvolle Möglichkeit, die europäischen Demokratien zu schützen“, räumt Hofstetter ein. „Aber auf der anderen Seite habe ich natürlich ganz klare Eingriffe in Freiheit, nämlich in die Privatsphäre, wenn ich diese Überwachung überhaupt erst zulassen muss, um zu so einem System zu kommen.“

Wollen wir das wirklich? Mit diesen digitalen Mitteln könnten ja auch Demagogen sehr viel leiser und subtiler auf uns einwirken. Und keiner merkt mehr, wer am anderen Ende wirklich unsere Strippen zieht. Vielleicht sollten wir ja lieber den Mut haben, eine komplexe Gesellschaft zuzulassen, die nicht wie programmiert funktioniert. quelle: daserste.de

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