warum unterstützen vegetarier die fleischkonzerne?

überzeugte veganer und vegetarier kaufen nichts bei fleischkonzernen. trotzdem boomt vegetarischer fleischersatz von der fleischindustrie und ausgerechnet die profitieren nun von den veganern und vegetariern. die kleinen branchenpioniere werden jetzt von den grossen fleischkonzernen vom markt verdrängt:
fleischersatz
Schinkenspicker, Salami, Mett: Deutsche lieben Wurst. Für viele Konsumenten muss diese aber nicht mehr unbedingt aus Fleisch bestehen. Erst kürzlich meldete das Institut für Handelsforschung in Köln, dass der Umsatz mit vegetarischen und veganen Produkten im vergangenen Jahr um fast 26 Prozent auf 454 Millionen Euro gestiegen sei. Der Markt für Wurst aus Fleisch schrumpfte parallel um zehn Prozent.

Davon profitieren derzeit in erster Linie fast alle großen Fleischproduzenten. Die Rügenwalder Mühle beispielsweise hat 20 fleischfreie Produkte im Sortiment, bis Ende des Jahres sollen sie ein Drittel des Umsatzes ausmachen. Damit ist der Fleischkonzern Marktführer im „Veggie-Markt“ – nur anderthalb Jahre nach dem Start. Auch Wiesenhof, Ponnath, Herta und Meica haben nachgelegt: Fleischfreies Fleisch von Fleischfabrikanten steht in allen Supermärkten.

„Mit Tierwohl wenig am Hut“

Dieser Trend kommt bei den Pionieren der Branche, bei den kleineren Anbietern, gar nicht gut an. „An unserer Stelle stehen jetzt die großen Fleischkonzerne“, sagt Dörte Ulrich, Inhaberin von „Lord of Tofu“ aus Lörrach in Baden-Württemberg. Ihr veganer Fleischersatz sei schon vor Monaten aus dem Sortiment von Edeka und Tegut gestrichen worden. Verdrängt von einer Konkurrenz, „die mit Tierwohl wenig am Hut hat“, sagt Ulrich. „Ihr Fleisch stammt aus Massentierhaltung, und das neue Veggiefleisch besteht überwiegend aus Eiern von Hühnern, die in solchen Haltungsformen leben müssen.“

Ulrich ärgert vor allem der Vegetarierbund (Vebu), mit dessen Unterstützung die Rügenwalder Mühle wirbt und der sein V-Siegel auch an Fleischfirmen vergibt. „Es kann nicht sein, dass die größte deutsche Lobbyorganisation für Vegetarismus die Fleischindustrie unterstützt.“ „Lord of Tofu“ sei deshalb ausgetreten, „viele kleine Händler teilen unsere Kritik“.

Größeres Angebot, weniger Fleischesser?

Der „Vebu“ sieht das differenziert. Das Ziel, „den Fleischkonsum der Bevölkerung langfristig zu senken“, sei auch durch ein vergrößertes Angebot zu erreichen. „Wir unterstützen den Weg von Unternehmen, Fleischprodukte durch vegetarische und pflanzliche Alternativen zu ersetzen“, sagte Sprecherin Stephanie Stragies der Agentur „epd“.

Die kleinen Branchenpioniere hätten eine andere Rolle, so der „Vebu“. „Sie bringen die Innovationen auf den Markt.“ Dass sie durch die Großen verdrängt werden, glaubt Stragies nicht: „Sie haben ja meist eine andere Zielgruppe.“ So sieht das auch der Nürnberger Marktforscher Wolfgang Adlwarth: „Überzeugte Veganer und Vegetarier kaufen erst gar nicht bei Firmen, die Fleisch im Sortiment haben, und sie achten beim Einkauf viel mehr auf die Zutatenliste.“

Ähnlich sieht es die Life Food GmbH („Taifun-Tofu“) aus Freiburg, einer der größeren Fleischersatz-Pioniere. „In der Tat ist zu beobachten, dass teure Werbekampagnen die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf Marken lenken, die in der Vergangenheit nicht gerade mit Engagement für das Tierwohl geglänzt haben“, so eine Sprecherin auf SWR-Anfrage. Ob dadurch traditionelle Vegie-Marken in Bedrängnis gerieten, lasse sich nur schwer sagen. „Wir glauben aber, dass sich die Sortimente früher oder später wieder bereinigen werden und dass die Verbraucher irgendwann beginnen, auf die Verpackungsrückseite zu schauen.“

Vorsicht bei den Zutaten!

Die Vorsicht beim Einkauf ist angebracht. Denn die neuen vegetarischen Würste enthalten tatsächlich meistens Eiklar, bestätigt Sophie Herr vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Sie sollen eben genauso sein wie Fleisch, das klappt mit Ei am besten.“ Auch enthielten sie oft chemische Zusatzstoffe. „Was fleischfrei ist, ist nicht grundsätzlich gesünder“, sagt Herr. quelle: swr.de

10 Gedanken zu „warum unterstützen vegetarier die fleischkonzerne?

  1. tja, dummheit siegt meistens.
    manche lesen die zutatenliste icht und denken, sie tun etwas gutes mit dem einkauf von rügenwalder wurst ohne tier.
    möge der herr endlich hirn vom himmel werfen.

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  2. Eigentlich habe ich wirklich viel Phantasie und finde für alles irgendeine, wenn auch mitunter abstruse, Erklärung. Doch warum entscheiden sich Menschen, aus welchen Gründen auch immer, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren und greifen dann zu Produkten in Fleischoptik? Das will mir absolut nicht in den Kopf! Genauso wenig kann ich nachvollziehen, dass Menschen um Gottes Willen bloß kein Fleisch essen, beispielsweise aber gedankenlos in eine Tüte gelatinehaltigen Süßkrams greifen. Logik und konsequentes Handeln – Fehlanzeige …

    Gefällt 3 Personen

  3. Wenn Fleischesser nun auch vegetarische Wurst mal ausprobieren, weil sie von einem Fleischproduzenten ihres Vertrauens angeboten wird – nun ja, ist auch ein Schritt.. Ich verwende kaum Fertigprodukte in Form von Wurst oder Würstchen o. ä., aber wenn, dann bleib ich natürlich bei den Anbietern MEINES Vertrauens, und das sind natürlich nicht Rügenwalder und Co. 😉

    Grundsätzlich ist die Tendenz zu fleischfrei begrüßenswert und auch ein entsprechender Umstieg innerhalb der Fleischindustrie, sonst sitzen die Mitarbeiter nachher alle auf der Straße, wenn die Welt erstmal vegan ist 😀

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      • natürlich 😃 das wäre der Idealfall am Ende eines Prozesses, aber während des Prozesses kann es durchaus sinnvoll sein, dass nicht alle auf einmal erstmal arbeitslos sind 😉 – womit ich nicht meine, dass man nun als Veganer Rügenwalder und Co unterstützen sollte, da kannst DU sicher sein (und das geht ja aus meinem Kommentar auch hoffentlich hervor 😉) – auf dem Weg zu einer veganen Welt werden die Industrien sich natürlich entsprechend verändern und sie haben damit begonnen – und wer bis jetzt beim Konsum auch noch einen Schritt weiterdenkt, wird natürlich auch weiterhin lieber kleine und faire Unternehmen unterstützen. Doch zumindest gibt es nun auch für die unreflektiertere breite Masse die Möglichkeit, herauszufinden, dass es fleischfreien Aufschnitt gibt – und der ein oder andere davon wird dann eventuell diese gute Nachricht als Anlass nehmen, sich NOCH weiter zu entwickeln in Richtung: ich weiß, wo mein Tofu herkommt 😃

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      • was ist denn genau Fleischoptik? die Sachen werden doch lediglich in die gleiche Form gebracht (Würstchen, Aufschnitt, Bratling), die sich als praktisch im Alltag erwiesen hat, um sie zum Beispiel in Scheiben aufs Brot legen oder braten zu können.. finde ich jedenfalls ganz praktisch für die Brotdose 😊 Und mit der Gelatine das hat sich ja nun inzwischen derart herum gesprochen, dass Katjes nun wohl ganz drauf verzichten will (oder tun sie es schon? weiß nicht genau, da ich sowas nicht esse).. Aber viele Menschen fangen eben einfach an irgendeiner Stelle an, vegan zu werden, während ihnen andere nichtvegane Verhaltensweisen noch nicht bewusst sind. Ich finde es toll, wenn sie trotzdem anfangen! Selbst wenn sie tatsächlich erstmal auch optisch noch die vegane Salami auf dem Tisch haben möchten, das gibt sich meist von selber 😉

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  4. Hat dies auf Mensch & Tier im Jetzt & Hier rebloggt und kommentierte:
    Unglaublich, wie naiv manche Menschen trotz so unendlich vieler aufklärenden Medien sind.
    Und wie leichtgläubig, „es ist doch aber vegetarisch…“ — ja, und? lies mal was da drauf steht…
    „aus Eiweiß…“… und woher kommt das Eiweiß? …
    Die vielen, neugeborenenen qiekenden Küken, die da durch den Schredder fallen…
    Es tut einfach nur weh.

    Ich hoffe, es ist okay, wenn ich das mal reblogge, weil es einfach genau meine Meinung wiedergibt! Danke und VG Kat

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  5. was mir gefällt, ist, dass du sowas angehst und veröffentlichst.
    Was mir nicht gefällt, ist GENAU DAS was du da beschreibst.
    Unglaublich, wie naiv manche Menschen trotz so unendlich vieler aufklärenden Medien sind.
    Und wie leichtgläubig, „es ist doch aber vegetarisch…“ — ja, und? lies mal was da drauf steht…
    „aus Eiweiß…“… und woher kommt das Eiweiß? …
    Die vielen, neugeborenenen qiekenden Küken, die da durch den Schredder fallen…
    Es tut einfach nur weh.

    Ich hoffe, es ist okay, wenn ich das mal reblogge, weil es einfach genau meine Meinung wiedergibt! Danke und VG Kat

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