wie viel sklavenarbeit steckt im westlichen lebensstil?

ein durchschnittlicher westlicher verbraucher beutet 25 menschen aus, moderne sklavenarbeit für die zügellosen bedürfnisse der westlichen konsumgesellschaft.

Sie ernten Kaffeebohnen, pflücken Baumwolle, schürfen Metalle für unsere Handys: Mehr als 45 Millionen Menschen leben als Sklaven – vor allem, um die Bedürfnisse westlicher Verbraucher zu befriedigen.

Sklaverei. Das klingt nach Barbarei aus längst vergangenen Jahrhunderten, nach Kriegsgefangenen der Spartaner, nach römischem Imperium und nach Millionen von Afrikanern, die in Amerika auf Baumwollplantagen schuften mussten. Sklaverei gehört in die Geschichtsbücher. Oder doch nicht?

Tatsächlich leben heute immer noch Millionen von Menschen auf allen Kontinenten in Sklaverei – auch in Europa und Deutschland. Und ein großer Teil der Versklavten schuftet für Verbraucher in wohlhabenden Ländern. Die australische Menschenrechtsorganisation Walk Free Foundation geht davon aus, dass weltweit knapp 46 Millionen Menschen als Sklaven leben, zur Prostitution gezwungen werden oder auf Feldern, in Fabriken und unter Tage für wenig oder gar keinen Lohn arbeiten müssen.

Die Zahlen zur Sklaverei weltweit können nur Schätzungen sein. Im vergangenen Jahr war die Organisation noch von knapp 36 Millionen Menschen ausgegangen, die in Abhängigkeit leben müssen und zur Arbeit gezwungen werden. Inzwischen sei die Datengrundlage für den Global Slavery Index besser, sagen die Autoren, daher der Anstieg um zehn Millionen. Andere Organisationen schätzen die Zahl der modernen Sklaven weltweit auf zwischen 20 und 30 Millionen.

Besonders gravierend seien die Probleme in Indien und in Nordkorea, heißt es in dem Report: In Indien lebten 18,4 Millionen Menschen als Sklaven, mehr als in jedem anderen Land der Welt. In der verarmten Diktatur Nordkorea ist derweil der Anteil versklavter Menschen an der Bevölkerung am höchsten: Dort wird einer von 20 Einwohnern gezwungen zu arbeiten.

Sklavenarbeit für die Bedürfnisse der Konsumgesellschaft

Niemand hierzulande sollte allerdings moderne Sklaverei als ein Problem vom anderen Ende der Welt abtun: Viele Millionen Menschen weltweit arbeiten unter Zwang für die Bedürfnisse der modernen Konsumgesellschaften. Und praktisch jeder Verbraucher hierzulande lässt andere unter menschenunwürdigen Bedingungen für sich schuften.

Wie stark sie Sklaverei unterstützen, können Verbraucher selbst feststellen: Der Test Slavery Footprint, den die Organisation Made in a Free World ins Netz gestellt hat, berechnet den Nutzern anhand ihres Besitzes und Konsumverhaltens, wie sehr sie die Ausbeutung von Erwachsenen oder sogar Kindern fördern.

Die Seite stellt einfache Fragen zum Lebensstil der Nutzer: wie viele Zimmer ihre Wohnung hat, beispielsweise. Oder ob sie Auto fahren, Lippenstift benutzen, wie viel Fleisch, Obst und Nüsse sie essen und ob sie Wein oder Kaffee trinken.

Bereits die Erläuterungen zum Test halten für westliche Konsumenten unangenehme Wahrheiten bereit: etwa, dass Arbeiter, die in China Fußbälle zusammennähen, teilweise täglich bis zu 21 Stunden in den Fabrikhallen sind – und das eine ganze Woche am Stück.

Ein westlicher Verbraucher beutet 25 Menschen aus

Oder dass in Usbekistan jedes Jahr 1,4 Millionen Kinder gezwungen werden, zur Erntezeit Baumwolle auf den Feldern zu pflücken. Oder dass in Indien sogar Dreijährige nach dem Glimmer für Make-up und andere schimmernde Kosmetikprodukte schürfen.

Die Ergebnisse des Selbsttests sind erschreckend: Ein durchschnittlicher westlicher Verbraucher beutet demnach 25 Menschen aus. Je nach Lebensstil kann der Wert allerdings weit höher liegen.

Bei bestimmten Rohstoffen könnten Verbraucher mit Gewissheit davon ausgehen, dass sie von Sklaven geerntet oder abgebaut wurden, heißt es auf der Seite: Das gelte beispielsweise für Kaffee aus der Elfenbeinküste, wo Arbeitssklaven die Bohnen ernten.

coltanBesonders heikel sind Elektrogeräte, in denen eine Vielzahl von Metallen und Rohstoffen verbaut ist. Alle Smartphones und Handys enthalten beispielsweise Bauelemente aus Coltan oder Tantal. Ein Großteil der weltweiten Produktion dieses Erzes kommt aus dem afrikanischen Kongo, wo Kinderarbeit an der Tagesordnung ist und wo die Kindersklaven in den Minen häufig in Berührung mit radioaktivem Material kommen.

Gerade Elektronik ist schwer ethisch korrekt zu produzieren

Die Macher des Tests empfehlen Verbrauchern denn auch, durch bewussten Konsum zu weniger Ausbeutung beizutragen, etwa indem sie sich häufiger für Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel entscheiden oder von Firmen kaufen, die sich fairen Arbeitsbedingungen verschrieben haben.

Gerade das Beispiel Smartphones zeigt aber auch, dass es äußerst schwierig ist, Sklavenarbeit zu vermeiden und ethisch unbedenkliche Elektronikgeräte herzustellen. Die Macher des holländischen Fairphone beispielsweise geben offen zu, dass es ihnen trotz großer Bemühungen nur teilweise gelungen sei. quelle: welt.de
Video: Diese Minenarbeiter bauen Coltan ab – ein seltener Rohstoff, der unentbehrlich für Handyproduktionen ist. Kongo ist dafür weltweit der zweitgrößte Lieferant. Doch seitdem der Boom vom neuen Gold abgeflaut ist, machen viele Arbeiter mittlerweile Schulden.

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4 Gedanken zu „wie viel sklavenarbeit steckt im westlichen lebensstil?

  1. vielleicht mache ich mir selber das gewissen rein, denn meine handys kamen bisher aus zweiter hand. sie waren gebraucht und wurden geschenkt. ich würde mir allerdings keines kaufen oder einen vertrag abschließen bei dem ein handy zusatz ist. eher verzichte darauf, denn meine nummer gebe ich nur selten jemandem. ich mag es nicht immer erreichbar zu sein, ausserdem nehme ich das handy selten mit, wenn ich meine wohnung verlasse.
    dass ich bis auf unterwäsche, schuhe und socken meine bekleidung second hand erwerbe schrieb ich bereits schon.
    aber vielleicht mache ich mir etwas vor, um das gewissen zu beruhigen.
    was meinst du?

    Gefällt 2 Personen

    • Ich denke, das ist schon mal ein Anfang. Wir sind nun mal nicht mehr Selbstversorger, müssen uns praktisch alles kaufen. Ein Problem für all den Konsum ist ja auch diese Wegwerfgesellschaft, das kurbelt die Konsumbedürfnisse extrem an. Aber auch der Anspruch, dass alles möglichst billig und noch billiger sein muss ist daran schuld. Bei Billigpreisen ist es unmöglich, anständige Löhne zu bezahlen. Auch kann man ja zu einem gewissen Teil gewisse Produkte boykottieren. Ich denke, es gibt so einiges, womit wir diesen Massenkonsum, diesen Wahnsinn nicht mitmachen müssen. Wenn wir uns bewusst sind, dass wir ja schließlich all das Zeug kaufen oder eben nicht…….
      Alles Gute aus dem Süden
      Mme Ruth

      Gefällt 2 Personen

      • die wegwerfgesellschaft findet auch meinen unwillen. sich davon zu befreien wäre erstrebenswert.
        konsumverweigerung oder boykott wäre sicher die richtige maßnahme, aber andere davon zu überzeugen ist wohl sehr schwer, denn neues wie kleidung entbehrt nicht eines gewissen status, mit dem sich gern umgeben wird.

        Gefällt 1 Person

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