vom symbol des friedens zu den ratten der lüfte

schon wieder nachwuchs in unserem geschützten hühnerstall:
taubenbrut

Einst galten sie als Symbol des Friedens, heute halten viele sie für krankmachende „Ratten der Lüfte“: An den Straßentauben in unseren Städten scheiden sich die Geister. Nicht selten werden die Tiere Opfer brutaler Attacken.

Was wäre der Trafalgar Square in London ohne seine Tauben? Oder gar der Markusplatz in Venedig? „Für mich gehören Straßentauben zu einer Stadt einfach dazu“, sagt Klaus Witt, Ehrenmitglied der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft und Leiter der Fachgruppe Ornithologie im Naturschutzbund Nabu. Doch längst nicht jeder deutsche Städter kann sich für seine gurrenden Mitbewohner begeistern. Als „Ratten der Lüfte“ werden die Vögel oft geschmäht. Und – schlimmer noch – manchmal auf furchtbare Weise gequält und getötet. „Wir haben hier in der Klinik immer wieder Tauben, die angeschossen wurden, und wir hatten auch schon Exemplare, die mit Pfeilen durchbohrt oder mit einer Paste verklebt worden waren“, sagt Norbert Kummerfeld, Leiter der Abteilung Zier- und Wildvögel an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Rational ist ein solches Verhalten einfach nicht mehr zu erklären.“

taubeErst vor wenigen Tagen machte ein Vorfall in Tübingen Schlagzeilen, als ein Mann eine Taube regelrecht zusammentrat und das verletzte Tier vor den Augen protestierender Passanten in den Neckar warf, wo es ertrank. „Sadistische Persönlichkeiten sehen sich anscheinend legitimiert zu solchen Taten durch das schlechte Image, das Tauben in unserer Gesellschaft häufig haben“, erklärt Daniel Haag-Wackernagel, Biologe an der Universität Basel. Ein Negativbild, das sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Denn bis dahin galten die Tiere als Inbegriff von Friedfertigkeit und Sanftmut, ihr Schnäbeln als Sinnbild der Zärtlichkeit Liebender, ihr monogames Partnerverhalten als Beispiel für eheliche Treue.

Vom Heiligen Geist zum Stadtverschmutzer
Mit der Realität hatten natürlich auch diese romantischen Vorstellungen nichts zu tun, doch sie zeugen von der Wertschätzung, die der Vogel einst genoss. Nicht zufällig kehrte eine Taube nach der Sintflut mit einem Ölzweig im Schnabel zu Noah zurück, senkte sich der Heilige Geist wie eine Taube auf den im Jordan getauften Jesus herab. In der Praxis machten sich die Tiere für den Menschen als Überbringer von Botschaften nützlich. Und als ganzjährig verfügbare Nahrungsquelle waren sie äußerst begehrt.

Inzwischen gelten die zu Straßentauben verwilderten Haustauben hauptsächlich als Überträger von Krankheiten und Verschmutzer unserer Städte. Was ein Zerrbild ist, das den Tieren nicht gerecht wird. „Sicherlich können Straßentauben Krankheitserreger auf Menschen übertragen, doch das tun Hunde oder Katzen auch und das vielleicht sogar mit größerem Risiko“, meint der Tiermediziner Kummerfeld. Denn zwischen Vögeln und Säugetieren bestehe eine gewisse Barriere, so dass die Ansteckung nicht einfach sei.

Nicht gesundheitsschädlicher als andere Tiere auch
Übertragen können Tauben auch blutsaugende Parasiten wie die Rote Vogelmilbe oder die Taubenzecke. Und ihre Federn lösen bei manchen Menschen Allergien aus. Zudem ist Taubenkot ein Nährboden für Pilze, deren Sporen gefährlich sind. „Aufs Ganze betrachtet fällt die Bilanz allerdings ziemlich positiv aus“, urteilt Kummerfeld. „Im Vergleich zu anderen Tieren sind Tauben keineswegs die Bösewichte, die eine große Gefahr für den Menschen sind, wie gerne behauptet wird.“ quelle: focus.de

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