seichtgebiete – warum wir hemmungslos verblöden

Kampf den kulturellen Blödmachern:
Michael Jürgs versucht sich als Retter der Kulturnation. In seinem Buch „Seichtgebiete – Warum wir hemmungslos verblöden“ rechnet der frühere Stern-Chefredakteur mit Trash-TV, Schundliteratur und anderen Blödmachern ab.
verblöden
Michael Jürgs ist kein Freund von vorsichtigen Thesen. Sein Motto lautet eher „wenn schon, denn schon“. Das gilt mehr als je zuvor für sein jüngstes Buch „Seichtgebiete – Warum wir hemmungslos verblöden“. Es ist eine Abrechnung mit denjenigen, die der Publizist und ehemalige „Stern“-Chefredakteur für einige der weniger lustigen Seiten unserer Spaßgesellschaft verantwortlich macht. Und das sind nach seiner Überzeugung nicht zuletzt die Medien oder zumindest Teile von ihnen, der ein oder andere private Fernsehsender zum Beispiel. „Blödmacher“ nennt er sie abschätzig.

Jürgs ist ein Klartexter. Als Autor hat er schon oft bewiesen, dass klug und unterhaltsam zu schreiben kein Widerspruch sein muss. Das gilt auch in diesem Fall. Hinzu kommt diesmal, dass manche treffende Formulierung auch ausgesprochen böse ist. Denn Jürgs ist erkennbar wütend. Sein Zorn gilt beispielsweise denen, die bei Fernsehsendern das Sagen haben und dabei auf „Zoten und Quoten“ setzen.

„TV-Fastfood“ fördert Verblödung
Seit das Privatfernsehen vor 25 Jahren in Deutschland zu senden begann, tritt Qualität nach Jürgs Überzeugung in den Hintergrund. „Mittlerweile ist eine ganze Generation von Deutschen aufgewachsen mit Tutti-Frutti-TV. Das konnte nicht ohne Folgen für den Verstand bleiben“, klagt der Autor. Beispiele für Formate, von denen er befürchtet, sie könnten der Verblödung Vorschub leisten, nennt er etliche.

Jürgs befürchtet, die Zahl der Verblödeten sei „höher denn je“. Nur eine Minderheit der Blöden kommt bereits blöd auf die Welt. Schuld daran, dass sie es werden, ist für Jürgs das Aufwachsen mit „TV-Fastfood“ und die Tatsache, dass sie keine geistige Nahrung bekommen und in einem Zuhause groß werden, in dem es keine anderen Bücher gibt „außer denen von Bohlen, Barth, Bushido & Co“.

Literatur wie dieser traut Jürgs nur Schlimmes zu: Die Werke solcher „Ikonen der versendeten Blödformate“ seien mitverantwortlich für „Verblödung und Verrohung“. Kein Produzent von Büchern wie denen von Bruce Darnell, Dieter Bohlen oder Bärbel Schäfer frage, „was da wohl drinstehen mag oder in welcher dem Deutschen ähnlichen Sprache die geschrieben sein könnten“.

Dass solche Titel Verkaufsschlager werden, verzerre das Bild der Bestsellerlisten für Literatur. Jürgs plädiert deshalb dafür, sie künftig in eigenen Listen zu führen. Eine sollte es ausschließlich für Literatur geben, die diesen Namen verdient, eine zweite für Favoriten des Massengeschmacks: Bücher wie die von Stephenie Meyer, Charlotte Roche oder Ildiko von Kürthy hätten dort nach Jürgs Einschätzung ebenfalls ihren Platz.

Mario Barth so simpel wie sein Publikum
Blödmacher gibt es nach Jürgs Einschätzung viele. Etliche sind berühmt und erfolgreich. Dieter Bohlen hält er zumindest zugute, dass der im Rahmen seiner Möglichkeiten alles tue, um die Seichtgebiete trockenzulegen. Als Exekutor entsprechender Talentsuche-Shows mache er die Blöden fertig, deren Begabung „allenfalls für einen Gröl-Chor der mal wieder Betrunkenen im Familienkreis“ reicht. Mario Barth hält Jürgs dagegen für „vermutlich wirklich so simpel wie seine Fans“: „Weil seine Scherze von Übel sind, hat er ein großes Publikum. Was bereits durchschnittlich intelligente Menschen fassungslos aufschreien lässt, finden Blöde, die er um sich schart, zum Schreien komisch.“

Michael Jürgs will zuspitzen statt differenzieren. Er zeichnet manches schwarz-weiß, wo es auch Zwischentöne gibt, und vieles einfach nur schwarz. Manchmal überrascht, was ihm so alles aufstößt: Die mangelnde kulturelle Bildung von Parlamentariern genauso wie das unhöfliche Telefonieren mit dem Handy im Restaurant oder Zug.

Seine Analysen sind erbarmungslos. Sein Buch ist, gerade durch seinen aggressiv-unversöhnlichen Ton, so unterhaltsam wie lesenswert. Wenn diejenigen, die sich angegriffen fühlen, ins Nachdenken kommen, hätte Jürgs schon einiges erreicht.
stern.de

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4 Gedanken zu „seichtgebiete – warum wir hemmungslos verblöden

  1. Hallo, so sehr ich auch mich über jeden auch Promi freue, der diesen massenmedialen Bellizismus kritisiert – die Beschreibung von Richard Albrecht (2008) halte ich für immer noch für richtungsweisend. Er kennzeichnete die massenmediale Blödmaschinerie als „Verdummungsindustrie mit ihren Verblendungs-, Verkehrungs- und Umwertungsmechanismen zur strategischen Verstärkung der durch den Warenfetisch jeder kapitalistischen Gesellschaft immer schon gegebenen spontanen Mystifikation als gesellschaftliche Gefolgschaft.“ SUCH LINGE

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  2. Der Beitrag ist gut, bis auf den Hinweis auf das Verblödungsmedium der Systempresse *
    Aber auch dieser Autor gehört zur Verblödungsindustrie weil er unfähig ist Fragen zu stellen die über seinen Horizont hinaus gehen. Er stellt nicht das System in Frage, sondern nur einen kleinen Bereich. Aber wenn man Kultur zusammen kürzt, Preise nach Verkaufszahlen verleiht oder in jedem Bundesland ein anderes Schulsystem hat bei dem der Schwimmunterricht gestrichen wird weil diese Fähigkeit keinen kapitalistischen Nutzen hat, dann muss man sich nicht über die totale verflachung von Kultur und Bildung wundern.
    Kapitalismus braucht klein intelligentes Volk mit hoher Allgemeinbildung, sondern nur dumme gottesfürchtige Teamplayer denen man Selbstengagement und Demut als Selbstausbeutung und Selbstaufopferung einreden kann, mit dem Ergebnis das diese Selbstausbeuter nach Gebrauch billig entsorgt werden.Der Einzige der davon profitiert ist eine 1% Elite, die der Hamsterrad-Welt verkünden was Freiheit ist, nämlich das niemand ihnen ihren Reichtum wegnimmt damit sie es gegen die Mehrheit zu ihrem persönlichen Vorteil einsetzen können, Pressefreiheit für Verblödungsmedien und als Propagandamedium gegen andere Gesellschaftsmodelle und natürlich die großartige Demokratie um sich die Politiker oder gleich ganze Parteien zu kaufen. Das funktioniert seit 2000 Jahren so.
    Michael Jürgs selbst ist ein Produkt dieser Gesellschaft, er ist Opfer und Täter zugleich, er hat diesen Zustand beim Stern selbst mit herbei geführt. Und nun beklagt er sich?
    Wenn er wenigstens anfangen würde das System in Frage zu stellen, aber soweit geht er nicht.
    Er ist unfähig sein Weltbild in Frage zu stellen, er ist ein „Insasse“, ein „Herdenvieh“ das dem „guten Hirten“ bereitwillig folgt und solche Leute haben die Welt nie verändert.
    Fortschritt kam immer von denen die die Grenzen ihres eingetrichterten Weltbildes in Frage stellten, die gegen den Strom schwammen, und die komplexen Probleme eines kapitalistischen Profitstrebens nicht nur auf den Bereich Kultur begrenzen, denn schaut euch mal um:
    Das Gesundheitswesen, die Geldpolitik, die Bildung, die Kultur alle Bereiche dieser Gesellschaft sind krank. Das ganze System ist ein Flickwerk das von der Lobby wie ein Schweizer Käse durchlöchert und zerfressen ist.
    Wir brauchen keine Kulturänderung, sondern eine gesellschaftliche Änderung die sich nicht mehr an Profit und Leistungsträgern ausrichtet. Denn Leistungsträger allein könnten nichtmal sich selbst, geschweige denn ein Volk ernähren. Und deshalb braucht auch das ganze Volk Freiheit, nicht nur eine Elite. Und das ist in erster Linie auch die Freiheit von finanziellen Sorgen, die Freiheit kein Sklave sein zu müssen. Geld macht nicht glücklicher sondern die Hetze von Geld versklavt uns und macht uns unglücklich. Deswegen sind die Deutschen eines der unglücklichsten Völker der Welt.
    Wir haben verlernt zu begreifen das die größtmögliche Freiheit aller nur durch die Begrenzung der grenzenlosen Freiheit einer allmächtigen Elite herstellbar ist.

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